Der Titel der Ausstellung lässt zunächst innehalten: „Schönheit des Zerfalls“. Zwei Begriffe, die auf den ersten Blick kaum zusammenpassen – und doch in ihrer Verbindung eine tiefe Wahrheit über unser Leben und unsere Welt offenbaren.
Die fotografischen Arbeiten von Manfred Kelleter erzählen nicht von makelloser Oberfläche, sondern von den Spuren der Zeit und dem, was daraus entsteht. In ihrer Eröffnungsrede brachte Dr. Heidemarie Ertle diesen Gedanken auf den Punkt: „Schönheit, ein Begriff den wir mit Glanz, Vollkommenheit und Dauer verbinden. Und dann Zerfall: Vergänglichkeit, Auflösung. Also zwei Begriffe, die auf den ersten Blick vielleicht nicht zusammenpassen, die in ihrer Verbindung aber doch gerade eine tiefe Wahrheit über unser Leben und unsere Welt beinhalten.“ Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll, dass Zerfall nicht nur Verlust bedeutet, sondern auch Verwandlung. „Denn Zerfall bedeutet bei Kelleter nicht einfach Verlust, es ist vielmehr Verwandlung. Und gerade im Vergänglichen liegt eine eigene Ästhetik. Diese Schönheit drängt sich nicht auf, sondern will entdeckt werden“, so Ertle weiter.
Manfred Kelleter, inzwischen fast 92 Jahre alt, blickt auf ein langes und bewegtes Leben zurück. Seine Werke spiegeln Wandel, Brüche und Neubeginn wider. Als „Ur-St. Ingberter“ ist er tief mit seiner Heimat verbunden. „Ich hatte einfach das große Glück, hier zur Welt zu kommen“, sagt er selbst. Vielen ist Kelleter seit Jahrzehnten als Mundartdichter bekannt. Seine Sprache ist geprägt von einem feinen Gespür für das Alltägliche und das Menschliche. Auch als bildender Künstler – mit Zeichnungen, Collagen und Malerei – hat er sich weit über die Region hinaus einen Namen gemacht und zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Dass Manfred Kelleter auch ein umfangreiches fotografisches Werk geschaffen hat, ist bisher kaum bekannt gewesen. Umso bedeutender ist diese Ausstellung, die seine Fotografien erstmals der Öffentlichkeit zugänglich macht – in der Fotogalerie des Stadtarchivs St. Ingbert.
Oberbürgermeister Dr. Ulli Meyer betonte in seiner Begrüßung die besondere Stellung des Künstlers: „Manfred Kelleter hier vorzustellen hieße so viel, wie Eulen nach Athen zu tragen. Jeder kennt seit Jahrzehnten seine poetischen Werke, von Fotografien war bisher nichts bekannt. Die Inspirationen nahm er aus seinen Spaziergängen. Alte Bäume zeigen für ihn Charakter und Spuren der Zeit. Vielen Dank, dass Sie Ihren besonderen Blick mit uns teilen.“ Auch der Beigeordnete Albrecht Hauck zeigte sich beeindruckt: „Bisher kannte ich von Manfred Kelleter nur wortgewaltige Gedichte, die Fotoausstellung hat mich wirklich überrascht. Und ich muss gestehen, ich bin beeindruckt. An solchen Motiven laufe ich im Wald oft achtlos vorbei.“
Ein neuer Blick auf das Vergängliche
Die ausgestellten Fotografien entstanden vor über 30 Jahren im St. Ingberter Auwald nach den Stürmen „Wiebke“ und „Vivian“. Sie zeigen keine Postkartenidylle, sondern stille, oft übersehene Motive des Zerfalls.
„Ich bin sprachlos über die Zahl der Besucherinnen und Besucher heute Abend, das ehrt mich sehr. Tatsächlich ist es meine erste Fotoausstellung und wer auf Postkartenmotive hofft, wird diese hier nicht entdecken. Meine Bilder zeigen Objekte des Zerfalls im Unterholz des St. Ingberter Auwaldes. Die Bilder sind mehr als 30 Jahre alt und waren bis vor kurzem gut verpackt. Umso mehr freut es mich, dass ich nun die Möglichkeit bekommen habe, sie hier im Rathaus einem breiten Publikum zu präsentieren,” so die erklärenden Worte des rüstigen Künstlers.
Die Ausstellung lädt dazu ein, genauer hinzusehen, sich Zeit zu nehmen und die verborgenen Schichten in den Arbeiten zu entdecken. „Und vielleicht nehmen Sie am Ende einen neuen Blick mit, auf das, was vergeht und das, was daraus entsteht“, so Dr. Ertle.
Fotos: Giusi Faragone








