Der Pädagoge, Musiker und Autor Hans Bollinger war auf Einladung des St. Ingberter
Literaturforums bereits zum dritten Mal Gast in der Stadtbücherei St. Ingbert, wo er im
Rahmen einer musikalischen Lesung seinen aktuellen Titel “Wir Nachkriegskinder”
präsentierte. In diesem Buch entfaltet er ebenso heiter wie facettenreich vor der Kulisse
seines Heimatdorfes Wörschweiler die bewegende Geschichte seines Heranwachsens.
Persönliches und historisches Bildmaterial unterstützte zudem seinen Vortrag in der
Bibliothek.
Bollinger, Jahrgang 1949, hebt darin immer wieder drei wesentliche Elemente hervor: Die
Wärme des elterlichen Hauses, die Erfahrung seines Naturerlebens und die anrührend
geschilderte Begegnung mit Menschen aus seinem persönlichen Umkreis. Sie alle gaben
ihm Halt und ermöglichten ihm Erfahrungen, die sein weiteres Leben prägten. Hier spannt
sich der Bogen von seiner Tätigkeit als Lehrer mit den Fächern Musik und Religion, seiner
Funktion als Leiter des Gesamtschule Gersheim und danach des ökologischen
Bildungszentrums Spohns Haus bis hin zu seinem Engagement als Künstler.
Bollinger war Mitbegründer und Kopf der Musikgruppe Espe, die von 1976 bis 1993 durch
europaweite Auftritte mit jiddischen und demokratischen Liedern bekannt war, und auch
Mitglied des Nerother Wandervogels. Seine Gitarre hatte ihn selbstverständlich auch nach
St. Ingbert begleitet, und immer wieder griff der Künstler in die Saiten, um das Gelesene und
Erzählte angemessen musikalisch zu untermauern.
Das von ILF-Sprecher Jürgen Bost moderierte Publikumsgespräch kreiste vor allem um das
Nachwirken der NS-Diktatur in seinen Kinderjahren, das Erleben der Sondersituation des
Saarlandes, die Verbundenheit mit der besonderen Musikrichtung des europäischen
Judentums und der Fahrenden sowie das Spannungsverhältnis von Dorfleben und
globalisierten Welt. Als bewegendes Finale der Veranstaltung interpretierte Hans Bollinger
noch das 1943 im Wilnaer Ghetto entstandene Lied “Mir lebn ejbig” ( “Wir leben ewig, wir
sind da”), das den verzweifelten und geschundenen Menschen Mut machen sollte.
Bild: S. Colling-Bost








