In der vergangenen Woche war eine Gruppe Studierender der Agrarwissenschaften aus Göttingen zu Besuch in St. Ingbert. Anlass war ein Forschungs- und Exkursionsprojekt im Rahmen des Moduls „Raus aufs Land“, das Teil eines größeren Bundesprojekts ist. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Städte im ländlichen Raum entwickeln und welche Faktoren die Lebensqualität vor Ort prägen.
Oberbürgermeister Dr. Ulli Meyer begrüßte die Gruppe aus Göttingen im St. Ingberter Rathaus und gab einen kurzen Überblick über die Wohnraumsituation und -entwicklung in der Stadt: „St. Ingbert gilt nicht nur aufgrund der Nähe zur Universität des Saarlandes als lebenswerte Stadt. Wir verfügen über zukunftsfähige Arbeitsplätze in Forschung und Industrie und der soziale Zusammenhalt wird durch ein reges Vereinsleben gestärkt.” Er befürwortete weiterhin den „Blick von außen” auf die Stadt, das gäbe Anlass zur Reflektion.
Besuch im Rahmen eines Bundesprojekts zur Entwicklung von Städten im ländlichen Raum
Ursprünglich war als Ziel der Exkursion die Biosphäre Bliesgau vorgesehen. St. Ingbert wurde eher zufällig als Untersuchungsort ausgewählt – erwies sich jedoch als besonders geeignet, um die Themen Strukturwandel, Identität und Engagement im ländlich geprägten Raum sichtbar zu machen.
Die Studierenden gingen vor Ort unter anderem der Frage nach, was St. Ingbert für seine Bürgerinnen und Bürger lebenswert macht. Dabei fiel besonders auf, dass viele Menschen ihre Stadt schätzen und sich aktiv einbringen – etwa im Vereinsleben, im Ehrenamt oder in lokalen Initiativen. Trotz der Herausforderungen, die ein Strukturwandel mit sich bringt, wurde eine insgesamt positive und optimistische Grundstimmung wahrgenommen.
Die wissenschaftliche Begleitung betonte, dass St. Ingbert ein Beispiel dafür sei, wie sich Geschichte und Wandel auf engem Raum zeigen. Die Stadt vereine industrielle Prägung und wirtschaftliche Veränderungen mit naturnahen Qualitäten und einer starken sozialen Infrastruktur. Als prägend wurden unter anderem die Mischung aus Industrie und Natur sowie das vielfältige Vereinsleben genannt.
Das Projekt der Göttinger Studierenden ist Teil einer Reihe von Untersuchungen in unterschiedlichen Regionen Deutschlands. Zu den bisherigen Untersuchungsorten zählen unter anderem die Uckermark, das Emsland und das Mansfelder Land. Der Vergleich verschiedener Regionen soll helfen, Muster und Erfolgsfaktoren für die Entwicklung von Städten im ländlichen Raum besser zu verstehen.
Prof. Dr. Claudia Neu, Inhaberin des Lehrstuhls “Soziologie ländlicher Räume” an der Universität Göttingen und der Universität Kassel (Standort Witzenhausen), und Dr. Marc Weiland, wissenschaftlicher Mitarbeiter, begleiteten die Exkursion der Studierenden. Sie zeigten sich insbesondere von der Stimmung in St. Ingbert beeindruckt: Trotz anstehender Veränderungen sei die Haltung vieler Menschen optimistisch und von dem Vertrauen geprägt, Herausforderungen gemeinsam bewältigen zu können. Sinngemäß fasste Prof. Dr. Claudia Neu die Stimmung in St. Ingbert so zusammen: „Das wird nicht leicht, aber wir schaffen das.“
Foto: Thomas Bastuck








