igb.rundschau.saarland
Rundschau-HeaderAdd

100. Geburtstag von Frau Rosa „Rosel“ Jungfleisch – Ein Jahrhundert Lebenserfahrung in Rentrisch

Die Rundschau St. Ingbert

Ein ganz besonderes Jubiläum durfte Ortsvorsteher Stefan Paulus am 9. Februar 2026 in Rentrisch feiern: Frau Rosa „Rosel“ Jungfleisch beging im Kreise ihrer Familie ihren 100. Geburtstag. Gemeinsam mit Ulrike Mauß vom Saarpfalzkreis überbrachte er der Jubilarin die herzlichsten Glückwünsche und würdigte ein bewegtes und erfülltes Jahrhundertleben.

Rosa “Rosel” Jungfleisch, geborene Toussaint, wurde am 9. Februar 1926 als zweites Kind des Malermeisters Jakob Toussaint und seiner Ehefrau Rosa, geb. Wagner, geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie zunächst in Niederwürzbach, später in Scheidt, wo sie die Volksschule besuchte. Die Wirren des Zweiten Weltkriegs prägten ihre Jugendzeit nachhaltig. Flucht, Entbehrungen und der schmerzliche Verlust ihres jüngeren Bruders Heinz, der in den letzten Kriegstagen eingezogen wurde und nicht mehr heimkehrte, hinterließen tiefe Spuren.

Nach dem Krieg fand die Familie in St. Ingbert eine neue Heimat. Eigentlich wollte Rosel Jungfleisch Kindergärtnerin werden, doch die Zerstörung der Berufsschule machte diesen Traum zunichte. Stattdessen absolvierte sie eine Ausbildung bei den Schwestern vom Heiligen Kreuz im Kloster Hegne am Bodensee, wo sie unter anderem Kenntnisse in Buchführung und Schreibmaschine erwarb. Zurück in der Heimat unterstützte sie tatkräftig den Malerbetrieb ihres Vaters und übernahm früh Verantwortung für ihre Familie.

1948 heiratete sie ihren Mann Hans. Gemeinsam bauten sie sich zunächst im Haus der Eltern und später in Rentrisch ein eigenes Zuhause auf. Mit ihren drei Kindern Annerose, Beate und Peter wuchs die Familie, und das selbst erbaute Haus wurde Mittelpunkt eines lebendigen Familienlebens. Neben Haushalt, Garten und Kindererziehung engagierte sich Rosa Jungfleisch vielfältig im Ort – unter anderem im Obst- und Gartenbauverein, im Kirchenchor und bei zahlreichen geselligen Aktivitäten. Ihre Backkünste und ihr Organisationstalent waren weithin geschätzt.

Auch unternehmerischen Mut bewies sie mit einem kleinen Bier- und Eisvertrieb. Später entdeckte sie ihre kreative Ader beim Malen und Töpfern und schuf zahlreiche Aquarelle und Tonfiguren.

Der frühe Tod ihres Ehemannes mit nur 57 Jahren bedeutete einen schweren Einschnitt. Doch Rosa Jungfleisch meisterte auch diese Herausforderung mit bewundernswerter Stärke. Ihre acht Enkelkinder und später auch die Urenkel wurden zu ihrem größten Glück. Zudem öffnete sie ihr Haus für Studierende, aus denen vielfach langjährige Freundschaften entstanden.

Reiselust und Neugier begleiteten sie bis ins hohe Alter. Ob Florida, Israel, Jordanien oder zahlreiche europäische Länder – Rosa Jungfleisch blieb stets interessiert und lebensfroh. In Rentrisch übernahm sie zudem für 15 Jahre die Leitung des Pfarrheims und prägte das Gemeindeleben maßgeblich mit.

Erst ein Schlaganfall kurz vor ihrem 90. Geburtstag bremste sie etwas aus. Doch ihre Lebensfreude ist bis heute ungebrochen. Ihren 100. Geburtstag durfte sie in ihren eigenen vier Wänden feiern – umsorgt von ihrer Familie und unterstützt von liebevollen Helferinnen und Helfern.

Mit Dankbarkeit blickt Rosa Jungfleisch auf ein Jahrhundert voller Höhen und Tiefen zurück. „Das Leben hat es gut mit mir gemeint“, sagte sie gerührt im Kreis ihrer Familie. Und so wurde ihr 100. Geburtstag nicht nur zu einem persönlichen Meilenstein, sondern zu einem Fest der Lebensfreude und der Gemeinschaft.

Bild: Stefan Paulus

Frederik Hartmann

Die Rundschau St. Ingbert