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Das Rathaus feiert 50. Geburtstag – leider in desolatem Zustand

Die Rundschau St. Ingbert

Das 1971 erbaute Rathaus von St. Ingbert ist marode und dringend sanierungsbedürftig. Bei einem Rundgang wird deutlich, dass es die Behebung der Mängel ein Fass ohne Boden wäre.

Seinen 50. Geburtstag begeht der Mensch – sofern ihm das Leben Gutes will – gern mit einem großen Fest im Kreise seiner liebsten Menschen und Wegbegleiter. Aber zum Feiern ist es den für den städtischen Bau Verantwortlichen Martin Ruck (Leiter Geschäftsbereich Stadtentwicklung und Bauen) und Alex Beck (Gebäudemanagement) wahrlich nicht zumute. „Die in den 70er Jahre geschaffene Struktur ist sehr wertig“, weiß Alex Beck. „Die gesamte Architektur ist perfekt geplant und zum Beispiel die Bürotüren sind aus bestem Holz.“

Nachhaltig robuste und schöne Türen, aber abgelaufene Teppiche.

Marode Infrastruktur und Fassade

Doch der liebevolle Blick auf das Gebäude weicht schnell den allzu offensichtlichen Mängeln: Die Wasserleitungen sind korrodiert, die Elektroverkabelung ist höchst veraltet und kann aufgrund der baulichen Vorgaben (z. B. Schacht- und Rohrgrößen) nicht mehr zeit- und ordnungsgemäß verlegt werden, die Außenstützen beginnen zu reißen, sodass Wasser eindringen kann (wobei die Statik nach wie vor nicht gefährdet ist), der Wärmeschutz an der Außenfassade ist, obwohl im Laufe der Jahre bereits modernisiert, längst schon wieder veraltet. Zwar wurde das alte, analoge Brandmeldesystem auf eine digitale Lösung umgestellt, doch auch hierfür gibt es mittlerweile wieder neue Standards. Die Liste der Baumängel nimmt kein Ende.

Querschnitt durch die Wasserleitungen.

Unzeitgemäße Arbeitsbedingungen

„Auch die Arbeitsweisen und -bedingungen haben sich in den letzten 50 Jahren verändert“, erklärt Markus Schmitt, Beigeordneter für nachhaltige Stadtentwicklung. So gebe es keine richtigen Besprechungsräume, in denen man zum Beispiel Gäste empfangen könne, im Sitzungssaal fehle ein Belüftungssystem und die Digitalisierungsmöglichkeiten seien nicht zeitgemäß, wie er hinzufügt. „Für eine Kernsanierung müssten 250 Mitarbeiter über mindestens 3 Jahre ausgelagert werden, was allein schon mit etwa 2 Millionen Euro zu veranschlagen ist. Dazu kämen mindestens 14 Millionen Euro für die bauliche Modernisierung. Und damit wären wir noch lange nicht am Ende“, rechnet Martin Ruck vor.

Alex Beck vor Elektro- und Sanitärleitungen in zu engen Schächten und Rohren.

Ein kurzer Blick zurück

Konzipiert wurde das Rathaus von der damaligen St. Ingberter Architektengemeinschaft Schönecker, Kreischer und Köhl. Der erste Spatenstich fand am 1. August 1969 statt, Grundsteinlegung und Richtfest wurden gleichzeitig Mitte Mai 1971 begangen und der neue Sitzes aller Abteilungen der Stadtverwaltung wurde am 4. November 1972 feierlich eingeweiht. Gesamtkosten: 13,3 Millionen DM. Die gleiche Architektur findet sich in anderen öffentlichen Bauten wie der Amtsverwaltung in Nohfelden, der Ingobertushalle und der Stadthalle St. Ingbert. Sie alle wurden vom St. Ingberter Architekten Hanns Schönecker (1928 – 2005) betreut und gewannen namhafte Architekturpreise. Aber auch das Andenken an das alte Rathaus wird gepflegt. Nachdem St. Ingbert 1829 Stadtrechte erworben hatte, wurde 1833 das erste Rathaus an das bereits vorhandene Pfarrhaus angebaut. Stolz zeigt Stadtarchivarin Dr. Heidemarie Ertle den Abschlussstein mit dem St. Ingberter Wappen, der im Moment im Keller des Rathauses aufbewahrt wird und hoffentlich wieder einmal einen ehrwürdigen Platz erhalten wird.

Archivarin Frau Ertle zeigt die Grundsteinurkunde aus dem Jahr 1971.

Kampf gegen Windmühlen

Aber das St. Ingberter Rathaus ist in die Jahre gekommen. Die anfallenden Reparaturarbeiten werden immer unverzüglich vorgenommen, vor allem wenn die Schäden die Sicherheit der Mitarbeiter gefährden könnten. So wurden zum Beispiel kürzlich Brandschutztüren in allen Fluren installiert und Wasserschäden werden schnellstmöglich beseitigt. Doch Gebäudemanagement und Hausmeister Peter Paulssen kämpfen dabei gegen Windmühlen: Jedes Loch, das sie öffnen, um einen Schaden zu beheben, eröffnet mindestens zwei weitere Mängel.

Jeder Schaden legt weitere Mängel offen.

Ein vorsichtiger Blick in die Zukunft

Statt einer großen Geburtstagsfeier gibt es daher neue Pläne: die Sanierung der alten Baumwollspinnerei, in der das Albert-Weisgerber-Museum und ein Teil der Verwaltung untergebracht werden soll. Das Bürgerservicecenter soll im Rathaus am Markt verbleiben, alle anderen Räumlichkeiten sollen an Investoren verkauft und im Zuge einer Umgestaltung mit saniert werden.

Fotos: Martina Panzer

BU Titelbild: Der Grundstein des Rathauses

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